Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Amman

Lieber Webblogleser,

am 13.09. hatten wir zum ersten Mal Kontakt mit der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Amman. Nach einem Vortrages über die Wasserwirtschaft in Jordanien von Kirchengemeinderatsmitglied Jochen Regner, hatten wir die Möglichkeit mit den Gemeindemitgliedern über ihre Familie, ihr Lebensgeschichte und vor allem über ihr Leben als Deutsche in Amman zu reden. Für mich waren natürlich die Berichte und Erfahrungen der vier Frauen am spannendsten. Doch bevor ein bisschen davon erzählen will, möchte ich noch mal genauer auf die Deutsche Gemeinde eingehen.

Die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Amman gehört zur Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Jerusalem unter Propst Dr. Uwe Gräbe. Die Gemeinde verfügt über keine eigene Kirche und deshalb finden die Gottesdienste in der „Kirche zum gutem Hirten“ der Arabisch-Lutherischen Gemeinde natürlich auf arabisch statt. Einmal im Monat wird aber trotzdem ein deutschsprachiger Abendmahlsgottesdienst mit Propst Gräbe abgehalten. In der zur Zeit leer stehenden Pfarrwohnung finden außerdem viele verschiedene Gemeindeaktivitäten und Freizeitangebote, die zum Teil über die Gemeinde hinausgehen, statt. Da gibt es die wöchentliche Kinderkirche, eine Krankenhausgruppe (Sie besuchen das „King Hussein Cancer Center“ und basteln mit den Kindern dort.), die German Speaking Ladies im Recency Hotel (ein Frauenkreis unabhängig von der Gemeinde), die Lesegruppe, den Deutschen Frauengesprächskreis im Goethe-Institut (ebenfalls gemeindeunabhängig), den Singkreis und den Handarbeitszirkel. Außerdem gibt es eine kleine aber feine Gemeindebibliothek mit zahlreichen deutschsprachigen Büchern. Also eine ziemlich aktive Gemeinde für ihre kleine Mitgliederzahl.

Mal schauen, wie viel und was wir Volontäre mit der Deutschen Gemeinde zu tun haben werden. Von ehemaligen Volontären haben wir erfahren, dass sie des Öfteren einen Gottesdienst mitgestaltet haben oder die Gemeindeaktivitäten unterstützt haben. Aber wir wissen auf jeden Fall, dass sie sich über musikalische Umrahmung der Gottesdienste freuen würden. Sprich Christian und ich sind mit unseren Saxophonen schon so gut wie gebucht.

Jetzt aber zu den Frauen. Was sie alle gemeinsam habe, ist dass sie alle schon mehr oder weniger lange in Amman leben (zwischen 3 und 25 Jahre), alle mit einem Jordanier verheiraten sind (sowohl Christen, als auch Moslems) und trotzdem ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Sprich sie pflegen im ganzen arabische Alltag immer noch die deutsche Kultur, indem sie ab und zu mal deutsch kochen, Ostern und Weihnachten feiern oder ihre Kinder zweisprachig erziehen. Zur Geschichte dieser Frauen muss man außerdem sagen, dass alle ihr Ehemänner in Deutschland kennen lernten und dort auch noch einige Zeit lebten, bevor sie sich entschlossen nach Jordanien auszuwandern. Dabei war bei den meisten zuerst unklar, ob sie nach einer bestimmten Zeit wieder nach Deutschland zurückkehren. Aber wie das halt so ist, wenn man länger weg ist. Man baut sich Beziehungen, Freundschaften, also ein komplett neues Leben, auf und auch aus wirtschaftlichen Gründen wird eine Rückkehr mit zunehmendem Alter immer schwieriger. Denkt man nur mal an die finanzielle Absicherung, die nicht gewährleistet wäre. Die meisten haben Deutschland verlassen, als die Kinder noch relativ klein oder noch gar nicht geboren waren. Dadurch fiel es wenigstens diesen einfacher, sich im neuen Land einzugewöhnen. Trotzdem war die Anfangszeit für alle ziemlich schwierig und das kann ich momentan ehrlich gesagt gut nachvollziehen. Man vermisst Freunde und Familie und vor allem die vertraute Umgebung. Wenn man dann noch keine konkrete Aufgabe hat, kann das schon schwierig werden. Deshalb hatten sie auch alle den Drang, in Jordanien nicht nur Hausfrau und Mutter zu sein, sondern sich eine Aufgabe zu suchen, nach Möglichkeit sogar in ihrem erlernten Beruf zu Arbeiten. Ihre Kinder, die meist internationale Schulen besucht haben, sind auch später ziemlich international geblieben. Das heißt sie haben zwar einen deutschen Pass, sind aber mit Arabern verheiratet und leben in Dubai oder Großbritannien.

~ von katrinkaltenecker am 24 September, 2007.

Eine Antwort schreiben