Libanon: Meine Jungs in der Family Nr.3
Lieber Webblogleser,
Ich lebe in einem ruhigen, strengen Internat an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule. Die 18 Jungs, die hier in meiner Family wohnen kommen alle aus schwierigen Verhältnissen. Deshalb ist es wichtig, dass sie sich hier angenommen fühlen. Aber zugleich sind die Regeln und Ordnungen, die hier herrschen für alle verpflichtend. Der Educator in meiner Family, Mr. Elias und ich, der Freiwillige, achten auf beide Faktoren. Dabei geht es für mich immer wieder ums abwägen, was ich im einen oder anderen Fall tun muss: Ermahnung und eventuell eine kleine Strafe, oder ich lasse sie ziehen, da sie lernen sollen Probleme selbst zu lösen. Aber nun zu meiner Family. Die Jungs sind zwischen 12und 16 Jahren alt und kommen aus fünf verschiedenen Klassenstufen. Hier kommt jetzt ein Typisches Bild für das arbeiten in einem Internat: Meine Jungs bei der Studytime

Eigentlich ist das die Hauptbeschäftigung der Jungs am Nachmittag. studieren. Selbst die kleinsten müssen ruhig sein in den zwei Stunden der ersten Studytime von 16:00 – 18:00 Uhr. Einige haben damit mehr Probleme und andere haben sich da schon länger dran gewöhnt. So ist Michel einer der großen, der meist selbst für Ruhe sorgt, wenn doch jemand mal redet. Er ist hier schon eine ganze Weile und genießt das Leben in schneller. Nur wenn er mal nicht so gute Noten gekriegt hat, oder über sonst was sauer ist kriegt man ihn nur schwer gebändigt. Er scheißt dann gerne mal auf Regeln und Vereinbarungen, so dass er nur mit Strafarbeiten zu bändigen ist. Aber das ist hier eben so, jeder muss gehorchen.

Ein anderer ganz besonderer Junge ist Kamal, der permanent Grinst, obwohl ihn manchmal gar nicht nach grinsen zu Mute ist. Er ist einer der kleinsten, und gleichzeitig einer der gerissensten. Nicht selten täuscht er einen Heilanfall vor, nur um etwas zu erreichen. Wenn ich ihn Frage, ob er noch etwas zu tun hat, schwindelt er mich oft an. Er kommt zu mir und schwärzt andere an, sie hätten jemanden geärgert. Und deshalb ist er in der Gruppe mehr und mehr der Außenseiter. Aber dennoch habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen. Er hat es hier nicht einfach, was durch sein verhalten natürlich nur noch verstärkt wird. Trotzdem kann ich mit ihm viel rumblödeln und ihn aber auch in die Schranken weisen. Kamal bleibt jedes zweite Wochenende hier, da er sich die heimfahrt nach Beirut nicht leisten möchte, oder weil seine Eltern einfach keine Zeit für ihn haben.

Und so könnte ich die Liste zu allen Jungen fortsetzten und zu jeden schreiben, warum ich ihn mag und was besonders an jedem ist. Aber ich habe ja noch einige Wochen mit Blogeinträgen zu füllen und so schauen wir mal, was dich nächste Woche erwartet, lieber Webblogleser.
Grüße aus Khirbet Kanafar
Christoph



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