Im Libanon zu Gast: 3plus1 wieder vereint

Lieber Webblogleser,

 

ENDLICH FERIEN!!!

 

Kaum sind die Jungs weg, sitzen wir drei Jordanier schon im Taxi Richtung Libanon. Gepackt haben wir unsere Rucksäcke in einer Nacht- und Nebelaktion nach der Party zur Einweihung der neu renovierten Kirchenfenster am Abend davor. Vielleicht hat Benny ja deshalb seinen Reisepass vergessen…

Nein, keine Panik. Er hat es noch rechtzeitig bemerkt, rumdrehen war also kein Problem mehr.

 

So sassen wir und ein 20l-Fass Olivenoel im Taxi. Die restliche Fahrt verlief ohne grosse Aufregung, da der Taxidriver uns mit gekonnten Befehlen durch den Grenzbehoerdenmarathon geleitet hat. 5JD Ausreisegebuehr aus Jordanien, 8$ Transitgebuehr durch Syrien und 25 000LL (=12,5€) Einreisegebuehr in den Libanon. Dank unseres Deluxe-Transportes von Haustür zu Haustür waren wir innerhalb von nur 4,5 h in der Bekaa-Ebene. Von so viel Grün und Schnee auf den Gipfel im Gebirge waren wir sofort verzaubert, denn wer nur Sand und Steine gewöhnt ist, freut sich über jeden noch so kleinen Baum und kommt aus dem Staunen hier gar nicht mehr raus. Christoph hat schon sehnsüchtig auf die Ankömmlinge aus dem Ausland gewartet und alle bürokratischen Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Luxusurlaub zu ermöglichen. So hat jeder sein eigenes Zimmer mit Nasszelle bekommen und das alles umsonst. Ein Dank geht an den Schulleiter der JLSS George Haddad, der Schneller-Voluntäre immer herzlich willkommen heisst. Jeder von uns Dreien ist dabei in einer Family untergebracht, in der wir dann auch gleich gegessen haben, was die Jungs natürlich super toll gefreut hat. Dabei haben wir gleich festgestellt, dass die Atmosphäre hier in Khirbet eine ganz andere ist. Hier hatte Katrin keine Probleme sich mit den Viertklaesslern hier zu unterhalten – alle sprechen super gut Englisch. Das Gelände hier ist 1/10 so gross wie in Amman, dafür leben hier mehr Kinder, was für, die wir die Weite der TSS gewohnt sind, erstmal ziemlich erdrückend war. Aber dadurch entsteht hier auch eine gemütlichere und familiärere Stimmung. Man merkt das besonders an der Beziehung zwischen Kids und pädagogischem Personal. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass am Montagabend die Weihnachtsfeier war. Es war uns echt wichtig an diesem Abend da zu sein, denn am nächsten Morgen haben hier auch die Ferien angefangen und so konnten wir noch etwas von dem Leben hier mitnehmen. Wir konnten überall dabei sein, so als wären wir hier wirklich Voluntäre und nicht nur Besucher. Aber den wichtigsten Unterschied haben wir ja noch gar nicht genannt: hier in der Schule und im Boarding House gibt es Mädels.

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Der Weihnachtsgottesdienst war ebenfalls anders als bei uns an der TSS. Angefangen hat nämlich alles mit einem dreiminütigen Stromausfall. Kommt hier im Schnitt täglich drei Mal vor und ist nichts besonderes, aber wir in Amman sind da vermutlich ziemlich verwöhnt. An dieser Stelle herzliche Gruesse an alle Leute in Afrika oder sonst irgendwo auf der Welt, die ebenso wie wir gerade im Dunkel sitzen. Genau in diesem Augenblick ist nämlich mal wieder für 30 Sek. das Licht ausgegangen…

Darauf folgte eine wunderschöne Weihachtsfeier mit arabischen, englischen und sogar deutschen Weihnachtslieder umrahmt vom Rektor am Klavier und einem „interessanten“ Blockflöten- und Klarinettenkonzert, denn alle Kinder müssen hier in der Schule Flöte lernen. Was sehr schön war, dass die Lehrer nach der Kirche noch mit in die Families gekommen sind, um dort traditionell zu essen (inklusive der berühmt berüchtigten sehr zuckerhaltigen libanesischen Süßigkeiten) und mit den Kids zusammen auf ’Baba Noel’ zu warten. Geschenke gab’s natürlich auch, aber anders als an der TSS (wos Einheitsgeschenke für alle gab, inklusive Barbiepuppen für Katrins Jungs…) durften sich die Jungs hier ein Geschenk im Wert von 10$ wünschen und haben das dann auch bekommen. Da war die Freude bei allen natürlich dementsprechend groß.

 

Nächster Morgen: drei genießen die Ruhe und die Möglichkeit endlich mal wieder richtig lang auszuschlafen, nur einer musste aufstehen – um 6 Uhr (natürlich war das Christoph, der seine Jungs noch ein letztes Mal in die Schule schicken durfte). Nachmittags haben wir uns dann auf den Weg ins Nachbardorf Khirbet Kanafar gemacht, um die Familie von Miss Layal, die libanesische Frau von Bishara, die ebenfalls an der TSS Educatorin ist, davor aber an der JLSS gearbeitet hat und deren Tochter Lora inklusive Oma gerade auf Heimaturlaub ist hier in Bekaa ist, zu besuchen. Sehr beeindruckt hat uns vor allem der Opa von Layal, den wir in seinem wohlverdienten Rentnerdasein störten: er aß rohes Fleisch in Brot mit zusätzlichem Fettrand und einer kleinen Prise Salz verfeinert. Dazu ein Wasserglas voll Whiskey und Eis. Wir waren echt froh, dass er uns nichts angeboten hat, stattdessen bekamen wir türkischen Kaffee und leckeren Tee mit Walnüssen. Nebenher haben wir außerdem Layals halbe Verwandtschaft kennen gelernt und Punkt.

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Es war ein echt schöner Nachmittag. Wir haben den Tag gemütlich bei libanesischen Sandwiches ausklingen lassen. Und Christoph überraschte uns mit den Zutaten zu einer echt deutschen Feuerzangenbowle. Da haben wir uns natürlich nicht zweimal bitten lassen. Das war echt ein Erlebnis ohne echten Zuckerhut und nicht ganz so hochprozentigem Rum, der brennen musste.

Keine Panik, die Schule steht noch, nur das Zimmer von Christoph hat einen ziemlich süßlichen Geruch.

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Nach dem Frühstück mit echtem deutschen Brot aus der Schneller-Bäckerei, wollten wir uns dann mal richtig sportlich betätigen und zu den Zedern trampen – das war zumindest der Plan. Am Anfang war das gar kein Problem und wir kamen recht schnell voran.

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Doch die Straße zu den Zedern ist nicht grade die Hauptverkehrsader zwischen Bekaa und Beirut. Es kam ungefähr alle halbe Stunde ein Auto, in die andere Richtung. So durften wir bei herrlichem Sonnenschein, aber für Jordanier doch sehr frostigen Temperaturen, die Aussicht genießen und ordentlich den Berg hoch laufen. Nach 1,5h kam die Erlösung, ein Offizier auf dem Weg ins Wochenende. Er fragte uns: „Where are you from?“ „Almania“ „What are you doing here???“ Eine gute Frage. Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr Mitten auf der Schwäbischen Alb einen Libanesen treffen würdet, der gerade dabei ist zum Fernsehturm in Stuttgart zu wandern und felsenfest davon überzeugt ist, er befände sich gleich hinter der nächsten Kehre. Doch es kommt noch besser: erst da wurde uns bewusst, wie dämlich unsere Idee eigentlich war. Mitte Dezember über eine Passstraße trampen zu wollen, auf der normalerweise kaum ein Auto, wenn dann eh nur Militär, fährt und sich dort zu dieser Jahreszeit üblicherweise eine Schneedecke von 2-3m befindet. Aus lauter Mitleid räumte er sein gesamtes Gepäck in den Kofferraum und nahm uns zu unserem Ziel mit. Dort kam dann das nächste Fettnäpfchen: das Gelände ist in den Wintermonaten natürlich gar nicht geöffnet. Aber er hat uns freundlicherweise aussteigen und ein paar Fotos machen lassen und uns anschließend ins nächstgelegene Dorf (10km entfernt, über einen Pass von 1800m) gebracht. Dort haben wir dann im einzigsten Laden des Dorfes typisch libanesisch gegessen. Natürlich wollte er uns Touris beim bezahlen abzocken und hat es auch geschafft, obwohl wir den Preis noch halbieren konnten.

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Es war uns zu riskant nochmals 2h auf ein Auto zu warten, das uns wieder über den Pass zurück bringt, also haben wir uns für einen 60km langen Umweg zurück zur Schneller-Schule entschieden. Glücklicherweise kam schon nach 10 min ein Auto, das uns alle Vier 30km weiter mitgenommen hat, sodass wir von dort aus mit dem Servicetaxi bis nach Hause fahren konnten. Das war übrigens der Punkt, an dem die bekannte Brücke steht, die im Bürgerkrieg letztes Jahr zerbombt wurde.

Bisher war die Urlaubszeit echt ereignisreich aber trotzdem erholsam. Wir freuen uns schon auf das Weihnachtsfest zusammen mit Familie Al-Munaizel.

~ von Christoph am 19 Dezember, 2007.

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