Der Süden und die Permission

Lieber Webblogleser,

dieses Wochenende wollte ich in den Süden des Libanon reisen, aber das ist nun einmal nicht ganz so einfach. Man braucht dazu eine Permission, also eine Genehmigung. Deshalb bin ich zur Polizei gegangen, damit ich solch eine Genehmigung erhalte. Die sagt aber, dass sie nicht zuständig ist, ich muss also zur Armee. Und da habe ich mich dann einen Tag später auch hinbegeben. 10 km von der Hisbollahhochburg im Norden der Bekaa-Ebene befindet sich ein Armeestützpunkt. Dort angekommen brauchte ich zwei Kopien von meinem Pass und zwei Passbilder (die hatte ich zufällig mit, aber nicht die Kopien). So wurde kurzerhand ein Soldat vom Gate entsannt um sich mit mir zusammen um die Kopien zu kümmern. 10 Minuten später war ich stolzer Besitzer aller nötigen Dokumente und ich durfte in den Stützpunkt eintreten. Anschließen wurde ich zum Chef des Stützpunktes gebracht (also ein General oder Major). Der hat mich dann ausgefragt, was ich im Süden machen will und warum ich ausgerechnet dort hingehen möchte. Aber das Gespräch war sehr locker, fast wie ein kleiner Smalltalk. Sein Sekretär stand dabei dumm rum und hat kein einziges Wort gesagt. Schließlich wurde mir die Genehmigung zugesagt, sie braucht aber normalerweise 6 Tage, ich wollte aber zwei Tage später starten. Und so hieß es mit einer Aussage, das man sein möglichstes tut um mir die Genehmigung rechtzeitig auszustellen, wieder abzuziehen.

 

Am Freitag durfte ich dann bei der Armee anrufen und fragen, ob ich eine Genehmigung kriege… Die wussten natürlich von nix, halt typisch Arabisch. Aber ich soll in einer Stunde wieder anrufen. Und dann kam das ungewöhnliche Ereignis zustande, das ich wirklich eine Genehmigung gekriegt habe und so konnte ich mich dann am Nachmittag mit Rabia und Ramy (zwei Brüder aus meiner Family) und deren Vater auf den Weg in den Süden machen. An dem Checkpoint zum Süden mussten wir dann warten. Die Permission war dort natürlich noch nicht angekommen. Und so mussten einige Telefonate getätigt werden und es hieß wieder warten. Schließlich haben sie mich dann durchgelassen und ich durfte passieren.

 

suden_stadt.jpg

 

Was ist zum Süden zu sagen… Er ist wunderschön. Hier sind viele Berge und tiefe Täler und alles ist sehr Grün. Ich habe die Grenze zu Israel in der ferne erblicken können und ich wurde ganz stolz von meinen Jungs durch ihr Dorf geführt. Dort war während des Krieges 2006 einiges zerstört worden. Einige Raketen und Bomben sind eingeschlagen, 100 Meter von ihrem Haus entfernt. Die Beiden haben mich ganz stolz an alle zerstörten Gebäude geführt und ich konnte es nicht fassen, dass viel schönes jetzt einfach nur in Schutt liegt. So zum Beispiel eine Kirche auf dem Friedhof. Ich habe von einem Video über den Ort dieses Bild herausgezogen.

 

suden_kirche.jpg

 

suden_krieg.jpg

 

Außerdem sind im Süden ganz viele weiße Militärfahrzeuge unterwegs. So durfte ich einige fahrenden UNFIL Fahrzeugen zuwinken. Und ich habe sie ständig gesehen. Die UN hat im Süden Tausende Soldaten, die das Gebiet zu Israel beobachten sollen und die verhindern sollen, das Rebellen oder die Hisbollah dieses Gebiet übernimmt. So wurde das UNFIL Mandat in den letzten Jahren ziemlich ausgeweitet.

unifil38.jpg

Wer mehr dazu wissen will kann auf Wikipedia einiges erfahren: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Interimstruppe_der_Vereinten_Nationen_in_Libanon&printable=yes

Ich bin am Samstag dann wider nach Beirut aufgebrochen, ohne irgendwelche Zwischenfälle. Dieses Wochenende hat sich echt gelohnt und ich bin Glücklich, das ich nun auch den Süden besuchen konnte.

 

 


~ von Christoph am 11 März, 2008.

Eine Antwort to “Der Süden und die Permission”

  1. Wau Christoph, das sieht ja echt spannend aus. Ich freue mich das du das sehen durftes. Ich hoffe ich kommen auch einmal dazu. Aber vor erst langt es mir wenn du mir alles ganz genau sagst wenn du uns wieder besuchen kommst.

    lg aus jordanien
    dein chris

Eine Antwort schreiben