unsere schwierige Lage im Libanon

Lieber Webblogleser,

die umliegende Welt kann sich in 24 h ändern. Das habe ich mit eigenen Augen auch jetzt erleben dürfen. Mittwochabend im Internet lesen wir dass der Flughafen von Beirut von der Hisbollah besetzt wurde. Wir das sind Elena, die vor zwei Jahren Freiwillige in der Schneller-Schule war und Angela, eine gute Freundin von ihr und Christoph. Etwas schwierig ist die Situation, da Elena und Angela am Donnerstagmorgen (knapp eine Woche später) eigentlich back to Germany fliegen wollten. Aber diese erste Info über die Schließung war eher… naja das ist schlecht… aber nicht der Weltuntergang… das wird schon

Am Morgen später, es ist nun Donnerstag hören wir, das die Route zwischen Beirut und Chtaura, so wie zwischen Zahle und Chtaura gesperrt worden sind. Unseren geplanten Ausflug nach Baalbeek wird dann wohl ins Wasser fallen. Einige Lehrer können so auch nicht zur Schule kommen, da die Straßen ja gesperrt sind. Was nun? Erst einmal Kaffee trinken, das ist vielleicht das einfachste.

Zwei Stunden später bricht das Chaos in der Schule aus. Die Schule wird unterbrochen. Servicetaxis kommen und holen die Kinder ab. Die Straßen sind nun fast alle um uns gesperrt. Dabei haben Regierungsanhänger, oder die Hisbollah, das weiß hier keiner, Straßensperren errichtet. Eine 1,5 km vor der Schneller-Schule… Ok dann wissen wir wohl, das es nicht mehr nur ein kleines Problem ist.

Diese Sperre wollen wir uns mal ansehen. Aber nur von weitem. Wir sind Deutsche und haben nichts zu befürchten. Also laufen wir langsam los. Was wir dann zu Gesicht bekommen, lässt uns erkennen, das es nicht nur einfach ein Problem ist, sondern, dass es größer ist, als wir bisher angenommen haben.

Die Kids sind alle draußen und sind ziemlich verunsichert, als dann die Schule vorbei war. Also machen wir das Beste draus und spielen so lange wie möglich mit ihnen. 17:00 Uhr kommt dann mein Educator zu mir uns sagt mir, das Hassan Nasralla soeben die Krieg gegen die Regierung erklärt hat. Wir sind geschockt gehen ins Internet und lesen die aktuellen Nachrichten.

(Hintergrund Anfang)

Die Hisbollah hat ein eigenes Telekommunikationsnetzwerk aufgebaut, damit sie vor Lauschangriffen der internationalen Geheimdienste sicher sind. Die Regierung hat dieses Netzwerk verurteilt und sieht es als nicht legitim an. Der Sicherheitschef des Flughafens wurde entlassen. Er war Schiit und soll Kontakt mit der Hisbollah haben. Darauf hin hat die Hisbollah den Flughafen eingenommen)

besser nach zu lesen auf: http://www.beirut-reporter.de

(Hintergrund Ende)

Es wird dann von Minute zu Minute immer schlimmer von den News. Kämpfe starten und viele Gebiete werden von der Hisbollah erobert. Die Lage ist nicht mehr Sicher, sondern … Gefährlich. Speziell in Beirut geht es richtig ab… Straßengefechte mit Automatischen Waffen und Grantatwerfern sind die meisten Bilder, die im Fernsehen zu sehen sind. Dazu kommt, dass die Bekaa-Ebene ebenfalls betroffen ist. Viele Straßen sind auch hier gesperrt und so ist fast kein weg kommen.

Uns wir immer mulmiger und wir wissen nicht so richtig, was wirklich los ist und vor allem was wir tun sollen. Wir wissen in Schneller sind wir sicher! Aber was wenn die Lage eskaliert haben wir dann noch die Chance weg zu kommen? Was sollen wir tun. Jeder sagt etwas anderes und eine objektive Meinung gibt es nicht.

Wir sind nun nicht nur drei die Betroffen sind sondern Vier. Georg, ein älterer Herr ist gerade in der Schneller-Schule um Hopfen anzupflanzen. Davon verspricht sich die Deutsche Botschaft, dass hier eine Möglichkeit für Bauern entstehen könnte, eine Alternative zum Marihuanaanbau zu bieten. Vier Deutsche an der Schneller-Schule die nun überlegen wie es weitergeht.

Am Nächsten Tag Freitag geht es nun darum so viele Entscheidungen wie Möglich zu treffen und gleichzeitig die Kids zu erfreuen, damit sie auch etwas anderes als Anspannung wahrnehmen können. Und nach einen vollen spielreichen Programm mit den Kindern ging es dann an die Entscheidung. Wir haben uns nun entschlossen das Land zu verlassen. Wir wollen nach Amman reisen an die andere Schneller-Schule. Dort sind wir sicher, unabhängig davon wie sich die Lage im Libanon entwickelt.

So hat Christoph begonnen seine Taschen zu packen (alles was er hier mit hat) um alles nach Amman zu bringen. Samstagmorgen soll es dann losgehen und wir sind nun sehr gespannt ob alles klappt und wir über die Grenze kommen. Dabei ist es nicht ganz einfach, weil wir immer wieder unterschiedliche Informationen gehört haben, ob die Grenze offen ist.

Aber trotz all dieser schwierigen Nachrichten sind wir guter Dinge und nicht zu ängstlich. Gott ist bei uns. ich glaube, er macht uns ruhig und er stellt uns die richtigen Menschen zur Seite. Alleine wäre ich viel ängstlicher und angespannter.

bis zum nächsten Mal

~ von Christoph am 10 Mai, 2008.

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